Montag, 6. September 2010

Erste Meldung aus Togo

Reise

Nach einem langen Reisetag ohne Zwischenfälle bin ich gestern in Lomé angekommen. Der längste Tag meines Lebens (2 h Zeitverschiebung) und meine ersten Flüge sind erfolgreich überstanden. In Lomé sind wir dann mit einem Kleinbus abgeholt worden. Der Bus war ursprünglich wohl mal für 12 Leute gedacht... Wir waren 19, davon hatten 16 durchschnittlich 45 kg Gepäck pro Person! Beim Beladen haben einige Einheimische ohne geholfen zu haben von uns Geld verlangt weil sie angeblich geholfen hätten. Wir sind sie erst losgeworden, als wir gefahren sind. Die Fahrt war langsamer als vermutet, dafür gibt es keine Gurte und Verkehrsregeln können beliebig geändert werden, normalerweise durch häufiges Hupen angekündigt. Der Bus ist hier unser ständiges Fortbewegungsmittel und ungefähr doppelt so alt wie ich, wenn nicht älter...

Unterkunft

Wir sind die erste Woche in Lomé in einem Kindergarten untergebracht. 8 Leute pro Raum unter Moskitonetzen und ohne Matratzen. Die Moskitonetze sind super, man fühlt sich wie im Zelt. Die Toiletten muss man auseinander bauen wenn man die Spülung benutzen will und die Duschen sind geflieste, saubere Ecken ohne Tür und mit Wassereimer. Im Moment spielen hier ein paar kleine Kinder (ca.5-7 Jahre alt) Fußball, ungefähr so gut, wie bei uns 10-12 Jahre alte Kinder, die im Verein spielen... Insgesamt gesehen, sehr angenehm hier.

Essen und Trinken

Mittag- und Abendessen sind ganz gut und auch relativ reichhaltig, schmecken aber immer etwas nach Rauch, manchmal auch nach Rauch und Fisch... Das beste waren bis jetzt die frittierten Yamswurzeln (schmeckt ähnlich wie Pommes Frites, nur viel besser) und Fufu mit wahlweise Fisch oder Gulasch. Das Frühstück ist halb gut, halb beschissen. Das Brot ist sehr lecker, alles andere kann man vergessen. Der einzige Belag ist eine Margarine die ich nur einmal gegessen habe. Kakao gibt es morgens mit Wasser und tagsüber gibt es Wasser aus Tüten, schmeckt wahlweise nach Sand, Chlor oder Leitung... Ans Wasser aus der Tüte hab ich mich inzwischen gewöhnt, Kakao wird dauerhaft unangetastet bleiben.

Sonstiges Interessantes

Hier ist es angenehm warm und trocken aber wir schwitzen hier alle wie blöd aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit. Heute am Sonntag hat es auch mal kurz geregnet.
Aber ansonsten ist es hier super, die Moskitos verstecken sich vor der geballten Ladung Moskitonetze... Allerdings bin ich unterwegs schon gestochen worden, Malaria hab ich noch nicht... Was hier als Französisch gilt, ist ungefähr so einfach zu verstehen wie heftigstes Schweizerdeutsch, also kaum noch der ursprünglichen Sprache zuzuordnen, dafür ist der Umfang des verwendeten Wortschatzes eher gering, also ich versteh ziemlich viel. Grammatikregeln werden gerne auch mal verändert, zum Glück normalerweise vereinfacht wie z.B. Verben werden einfach mal nicht konjugiert. Ewe, was unsere Betreuer untereinander reden ist völlig unverständlich und auch schwer zu lernen; unaussprechliche Wörter...
Hier spielt sich das ganze Leben auf der Straße ab, überall laufen Menschen herum, die irgendwas verkaufen. Gekocht wird oft im Freien. Die Straßen in Lomé wechseln von neu asphaltiert, ohne Schlaglöcher und gut markiert (sehr selten) über gepflastert ohne Markierung (immer mal wieder) bis zu Sandwegen (fast überall). Schlaglöcher können hier auch mal so 10-15 cm tief sein...

Was bis jetzt so alles passiert ist

Wir sind immer wieder in Lomé unterwegs. Wir waren im Außenministerium um unsere Jahresvisa zu beantragen. Das Ministerium erkennt man nicht wenn man nicht weiß, dass es da ist. Die Visastelle ist ein Raum der nur von außen über eine Treppe erreichbar und kaum zu finden ist, dafür gibt es hier eine Klimaanlage. In der Deutschen Botschaft waren wir auch, sehr lustig irgendwie... Wir haben das Maison des Esclaves besucht und sind in den ca. 80 cm hohen Keller gegangen, in dem früher um die 100 Sklaven bis zu 2 Wochen „gelebt“ haben, ohne den Raum zu verlassen! Unangenehme Vorstellung. Außerdem sind wir mit Holzbooten, die verdächtig an Flüchtlingsboote erinnerten, über den Lac Togo gefahren. Wir waren bei Sylvestre, unserem Betreuer, zu Hause und haben dort zusammen mit seiner Familie Fufu gegessen. Geld haben wir auch schon geholt. Sieht aus wie Monopoly Geld und ist nur geringfügig mehr wert. Wir haben 700 € getauscht und einen 12 cm hohen Stapel CFA Franc bekommen. Ansonsten hängen wir hier alle ganz entspannt rum, gestern waren wir abends alle zusammen in einer Bar. Hier wird sowohl ständig laut gesungen als auch begeistert getanzt. Bewegt hab ich mich auch schon mal. Ich war joggen, quer durch Lomé. Sehr anspruchsvoll, wenn man versucht eine Runde zu laufen, sich nicht auskennt und die Straßen immer mal wieder Kurven machen, nicht rechtwinklig zueinander verlaufen und nicht oder nur sehr selten Straßenschilder haben. Alles in allem ähnelt mein Aufenthalt hier bis jetzt sehr stark einem Urlaub mit Ausflügen und etwas zum Teil langweiliger Theorie (in gewöhnungsbedürftigem Französisch vermittelt) über die togolesische Kultur.

4 Kommentare:

  1. Hi Jakob!
    Freut mich, dass es Dir so gut geht und Du schon alles so genau unter die Lupe nimmst! Ich kann mir alles gut vorstellen. Kochst Du /kocht Ihr eigentlich auch selbst und spülst Du/ Ihr?!
    Herzliche Grüße
    Christine

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  2. Hallo Jakob,
    ich habe das Gefühl, dass du in einer ganz anderen Welt gelandet bist, aber dies mit Fassung trägst. Deine Berichte finde ich sehr kurzweilig und humorvoll geschrieben. Weiter so.
    Liebe Grüsse von
    Martin K.

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  3. Hallo Jakob,
    ich freue mich, dass Du so ausführlich schreibst. So können wir uns gut vorstellen, wie Du jetzt lebst und auch Oma und Opa mit Infos versorgen.
    Grüße von M. und P.

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  4. Hallo, Jakob, Deine Veröffentlichungen werden hier mit großem Interesse verfolgt, insbesondere natürlich von Oma+Opa, die ich mit entsprechenden Ausdrucken versorge. Morgen werden die "Kegler" informiert.
    Herzliche Grüsse aus Budenheim, Volker

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