Es gibt aufgrund der langen Pause zwei Berichte (und zwei mal Bilder) und eine neue Seite! Das ist der Neuere also erst den anderen Bericht lesen....Kann sein, dass das in nächster Zeit immer mal sehr unregelmäßig ist, tut mit leid. Aber ich versuch zumindest alle 1-2 Wochen was hochzuladen.
Alles Mögliche
Ich hab mir endlich ein Fahrrad gekauft! Ein 26 Zoll Mountainbike (man braucht es nicht zu übertreiben, aber es ähnelt nun mal mehr einem Mountainbike als jeder anderen Sorte Fahrrad) mit Felgenbremsen (V-Brakes), 18 Gang Shimano Kettenschaltung, Grip-Shift Griffen, Gepäckträger, Trinkflaschenhalter, Klingel (hab ich extra gekauft), Schutzblechen (hab ich gleich ummontiert, selten so eine bescheuerte Konstruktion gesehen) und Ständer. Außerdem hat es Autoventile, eine Federgabel (sie ist zumindest da), einen Reflektor im hinteren Rad und einen schon etwas abgefahrenen Mantel (den muss ich wahrscheinlich nach ca. 3 Monaten wechseln). Alles zusammen (inkl. Klingel und Verbesserung sämtlicher Sachen die ich kritisiert habe, einem neuen Bremsklotz) hat mich das Fahrrad auf dem Markt von Lomé 61200 CFA gekostet (ca.93 €). Ab jetzt bin ich nicht immer auf die Motos angewiesen und kann immer mal schnell nach Kpalimé oder zum Pic Agou. Da war ich neulich, aber zu Fuß. Sehr schöne Wege und immer mal wieder ein toller Blick. Für den Gipfel selbst muss man allerdings bezahlen. Außer einer großen Antenne und einem Gipfelstein, den die Deutschen vor längerer Zeit gesetzt haben, gibt es hier auch nicht mehr zu sehen als beim Aufstieg. Aber der Weg durch Bananenfelder und unter rieseigen tropischen Bäumen ist einfach nur toll und auch ein bisschen anstrengend weil steinig und steil.
Mein Bambusregal ist immer noch nicht ganz fertig, ich hab einfach gerade keinen Bambus mehr und finde irgendwie gerade keine Gelegenheit welchen zu holen. Im Moment ist es meine Ablage für alles, was im Weg rumliegt. Neulich hab ich mal bei uns im Garten Treppenstufen gesetzt. Aber wenn es hier stark regnet, spült es die Erde rund um die Steine weg. Ich glaub ich muss mal irgendwo Zement organisieren.
Lomé
Ich war am Wochenende in Lomé. Eine große, unübersichtliche Stadt voller Müll. Hier sind die Gegensätze echt brutal. Der Boulevard am Meer entlang ist neu geteert, mit Straßenlaternen und Gehwegen und es gibt hier Luxushotels und auch einen Supermarkt, alles europäische Verhältnisse. Hundert Meter entfernt stapelt sich der Müll und die Menschen wohnen darin. Waren in einem eher guten Hotel (von einem Schweizer aus Lausanne), was eigentlich nur sauber, mit Dusche und Toilette und mit Klimaanlage bedeutet. Reicht völlig. Hundert Meter bis zum Stand, man sollte hier nur besser nicht baden, gefährliche Unterströmung. Auf jeden Fall war erstmal Urlaubsfeeling. Der Markt in Lomé ist riesig. Stoffe, Schuhe, gebrauchte Kleidung, Obst, Gemüse, Gewürze, Gürtel, falsche Golduhren und alles Mögliche andere gibt es hier in Massen. Mein Fahrrad hab ich hier auch gekauft. Was es in Lomé nicht gibt, gibt es in Togo nicht. Das Goetheinstitut besitzt ein schnelles, billiges und vor allem zuverlässiges Internet. An der Wand hängt ein Poster vom Freiburger Münster, vom Schlossberg aus fotografiert. Es gibt wohl auch in Freiburg ein Goetheinstitut. Abends war hier verspätetes Oktoberfest mit einer bayrischen Kapelle. Ich bin mir selten so merkwürdig vorgekommen. Bei 30°C in Lomé mit Weißwurst, Bier und Pommes zu bayrischer Volksmusik schunkeln. Und eine Menge begeisterter Togolesen überall. Selten so etwas ungewöhnliches und verrücktes gemacht. Ich hab echt gedacht, das glaubt mir niemand, so was gibt es eigentlich nicht... Danach waren wir noch in der Größten Diskothek Westafrikas. Riesig, viel zu hell, bis um 1 Uhr völlig leer, danach nach und nach mehr Leute. Bevorzugt ältere, oft weiße, Herren die auf der Suche nach Schönheiten sind. Dafür gibt es dann den VIP Bereich...
Schule
Hier in der 4e gibt es einen Schüler, der für den Tafeldienst eingeteilt ist. An sich nichts ungewöhnliches, für Arbeiten aller Art werden hier Schüler geschickt (Tafel wischen, Müll sammeln, Kreide oder Lineal holen, Hof fegen, Taschen tragen). Das Ungewöhnliche daran ist, dass der Schüler nicht weiß, was er wegwischen soll, er hat 5,5 Sehschwäche. Darum heißt er auch nur „der Blinde“. Der Direktor hat sich amüsiert und aufgeregt zugleich, weil der Blinde die Tafel wischen soll. Die Klasse hat durchgehend gelacht, während der Direktor jedes mal wieder den Blinden an eine andere Stelle der Tafel geschickt hat...
Jedesmal, wenn ich mit Tasche in die Schule komme, schlagen sich die Schüler halb darum. Sie nehmen mir die Tasche aus der Hand und tragen sie in die Klasse, ist irgendwie unnötig für die letzten 10 Meter (ich lauf vorher schon 20 min mit Tasche)... Ich habe in der 6e eine erste Hausaufgabenkontrolle gemacht, mit interessantem Ergebnis. Es hat einfach niemand wirklich verstanden und ein Großteil hat es nicht einmal versucht... Hier kann ich auf jeden Fall mal versuchen, ob ich die dazu motiviert kriege... Der Dienstagnachmittag ist der Tag der überwachten Hausaufgaben... Hierbei handelt es sich um eine Klassenarbeit, insgesamt einfach ein zusätzlicher Nachmittag Unterricht zu dem eh schon vollen Stundenplan der Schüler (insgesamt 4 Nachmittage).
Interessantes
Ich hab mir vorgenommen mich jetzt hier ein bisschen mehr um die Bibliothek zu kümmern. Hauptsächlich will ich vor allem die Schüler motivieren, häufiger dorthin zu kommen. Jonglage eignet sich bestens als Köder... Ich hab einmal in einem Klassenzimmer vor der Klasse jongliert, nur ganz leichte Sachen. Der Effekt war erstaunlich. Wenn man hier genug Betreuer für einen Kinderzirkus zusammen bekommen würde, ich glaub die Kinder würden nichts anderes mehr machen, die kennen so etwas einfach kaum oder gar nicht. In meiner Gastfamilie gibt es leider einen Fernseher (der ständig läuft, es kommt echt nur Scheiße in Togo, der Sender aus Ghana ist auch nicht besser, dafür in grauenhaftem Englisch). Jeden Abend laufen hier schlechte Serien mit noch schlechteren Schauspielern(ich hätte nicht gedacht, dass das geht). Das ganze noch in einer mäßigen (beschissenen) Qualität. Naja, immerhin habe ich in Togo jetzt eine Möglichkeit gefunden es schneien zu sehen...
Vor kurzem habe ich mein (weiß/gelbes)Bettlaken gewaschen. Das Wasser war hinterher so braun, dass man denken könnte, ich hätte auf dem Boden geschlafen. Mir ist es nach wie vor ein Rätsel, wo der ganze Dreck herkommt.
Hallo , Jakob! Deine Kommentare lesen sich wie ein Abenteuerroman - toll!Wenn ich noch 40 Jahre jünger wäre, würd´s mich auch nach Afrika ziehen.Ich wünsche Dir noch viele gute, interessante Erfahrungen. Und versuch´ Dein Bestes, den armen kleinen "Dummies" Mathe näher zu bringen. Ich kann mit ihnen fühlen, hab´ von
AntwortenLöschender höheren Mathematik so gut wie nichts kapiert - damals, vor über 40 Jahren.
Mach´s gut! Behüt´Dich Gott! und herzliche Grüße! Marianne Sauter.
Hi Jakob!
AntwortenLöschenDanke für die Mail und die tollen Berichte! Werden sogar immer besser! Dabei hätte man annehmen können, das das gar nicht geht! Habe kürzlich mit einer Kollegin den Film Kinshasa Symphonie gesehen, der von einem Symphonieorcherster in Kongos 10 Millionen Metropole handelt, das teilweise seine Instrumente selber baut und wom man abends todmüde nach der Arbeit probt (vorausgesetzt man hat Arbeit). Dort sagte man, es gäbe keinen Zement, weil er so teuer sei. Ich kann mir das gut vorstellen, denn Zement ist ja angeblich so energieintensiv, dass er in Deutschland seit Neuestem im Grunde subventioniert wird... Ob es in Togo überhaupt Zement so einfach gibt?!
Dein Insekt sieht aus wie eine Mischung aus Kakerlake und Skorpion. Sorry. Nicht mein Fall. Ich glaube ich will gar nicht so viel drüber wissen...
Freut mich aber, dass Du so wissbegierig bist und so gut improvisieren kannst! Freue mich auf weitere spannende Nachrichten, rufe sicherlich auch mal an und maile!
Glückwunsch zum Luxusrad, meines kann mit Deinem glaube ich, nicht ,,mitstinken"!
Christine