Donnerstag, 13. Januar 2011

Togo 2011, zurück im Alltag

Der Blog zu unserem Toilettenprojekt ist online. Schaut ihn euch doch bitte mal an. Einfach hier klicken!
Seit dem 03.01.2011 ist hier wieder Schule, Heilige Drei Könige gibt es hier nicht. Alles läuft wieder wie immer: Schule, korrigieren, Wäsche waschen... In der letzten Woche war allgemein Durchfall(en) angesagt. Bei mir, weil ich vermutlich was Falsches gegessen habe und bei den Schülern, weil es Zeugnisse gab. In der 3e haben 2 von 66 gerade so (um 0,24) bestanden, in der 5e waren sie richtig gut, 34 von 61 haben bestanden (das sind die beiden Extremfälle). Ich hoffe mal, dass sich die Ergebnisse in den letzten beiden Trimestern deutlich verbessern, ansonsten gibt es hier einige, die wohl noch mal im nächsten Jahr in die gleiche Klasse gehen werden. Außerdem gab es Stockschläge, für alle die weniger als 9 (von 20) Punkten hatten (10 braucht man zum Bestehen). Auf der Lehrerkonferenz wurde vorher die Menge Stockschläge festgelegt (4 für 8 Punkte, 5 für 7 Punkte usw.) Ansonsten war die Konferenz nicht sehr aufschlussreich aber sie ging auch nur 4 Stunden...

Schule und Lehrerfortbildung

Ich habe ein wunderbares System entwickelt, Schüler ohne Stock dazu zu bringen im Unterricht aufzupassen oder zumindest nicht zu stören. An sich ist es ein einfaches Nachsitzen in der Bibliothek. Weil die Schüler es nicht so arg gewöhnt sind, Bücher zu lesen und entsprechend auch eine extrem schlechte Sprachkenntnis und eine noch schlechtere Rechtschreibung haben, ist 30 Seiten lesen und davon eine DIN A4 Seite Zusammenfassung schreiben schon eine heftige Strafe. Allerdings hab ich die Hoffnung, dass sie dadurch wenigstens mal feststellen, dass lesen eigentlich Spaß macht und vielleicht kommt ja der ein oder andere mal wieder. Die Zusammenfassungen sind allerdings erschreckend schlecht, es gibt kaum welche, die nicht „jede vierte Zeile aus dem Buch abschrieben auch wenn dabei keine sinnvollen Sätze rauskommen“ sind. Die Lehrer haben hier auch schon festgestellt, dass die französische Sprache den Schülern etwas Mühe bereitet. Das Ergebnis der Überlegungen des Bildungsministeriums zu diesem Thema durfte ich auf einer Fortbildung für Mathelehrer bestaunen. Ergebnis: Den Schülern werden geometrische Aufgaben in Form von Organigrammen (so ne Art Schema) gestellt. Damit werden die mangelhaften Französischkenntnisse umgangen.

Sieh dann ungefähr so aus: Aufgabenstellung
ABCD ist ein Parallelogramm      Skizze: A----B----E von mir hinzugefügt
BECD ist ein Parallelogramm                      D----C
Beweise dass E die Symmetrie von A am Punkt B ist.
Erwartete Lösung:
(AB) // (CD)                                soll heißen: Gerade AB parallel zur Geraden CD
(CD) // (BE)                                soll heißen: Gerade CD parallel zur Geraden BE
(BE) und (AB) gehen durch B     Schlussfolgerung: Beide Gerade gehen durch B, logisch
A,B,E auf einer Geraden              sagt ja schon der Name.
Distanz AB = Distanz CD             Das sollte jetzt verständlich sein...
Distanz CD = Distanz BE
Distanz AB = Distanz BE
E Symmetrie von A am Punkt B. Symmetrie heißt: A gespiegelt an B gibt E.

Völlig realitätsfern und unmöglich. Probiert es doch einfach mal aus, wenn man es zeichnet, ist es total offensichtlich. Also einfach die beiden Parallelogramme zeichnen und schon sieht man die Lösung, den vollständigen Beweis braucht ja niemand zu machen. Geometrie war für mich immer anschaulich und über die Skizzen/Zeichnungen zu verstehen. So lässt man den Schülern nicht mal eine Chance und wundert sich, dass die nichts verstehen... Schade. Der Ausbilder war übrigens auch ziemlich eingebildet und die Lehrer waren zufrieden mit der Fortbildung. Vielleicht (ganz sicher) darf man hier den höher gestellten Beamten auch einfach nicht kritisieren. Was vom Ministerium kommt, ist immer gut.


Die Insekten

Hier auf unserer Terrasse tauchen immer wieder Insekten auf, die auch aus irgendwelchen Fantasieromanen stammen könnten. Im Angebot sind außer den alltäglichen Gottesanbeterinnen diesmal auch ein Wandelndes Blatt (siehe Bild), eine Militärmotte (siehe Bild) und ein äußerst merkwürdiges Ding mit zwei langen Beinen und einem langen Stachel (auch unter Bilder). Außerdem hatten wir hier noch eine leuchtende hellgrüne Spinne auf Drogen (sie hüpfte immer wieder unkontrolliert durch die Gegend und wirkte weniger normal)...

Freitag, 31. Dezember 2010

Weihnachten oder so

Tut mir leid, bin kaum zum Schreiben und ans Internet gekommen (siehe „Fressfeste“).
Nächstes Mal dauert es hoffentlich keine 2 Wochen...
Frohe Weihnachten nachträglich und ein frohes neues Jahr!

Toiletten

Hier startet demnächst ein Großprojekt. Florian (ein anderer Freiwilliger) und ich wollen in Kebo-Toe Schultoiletten bauen. Kebo-Toe ist ein kleines Dorf am Pic Agou mit einem Collège ohne Toiletten dafür aber mit einem engagierten Freiwilligen (Florian) der diesen Zustand ändern will. Geplant ist ein Gebäude aus Stein und mit Wellblechdach mit insgesamt 5 Pumpsklos (richtige Klos, kein Holzbalken). Weil diese Luxustoiletten ca. 2500 € kosten werden, haben Florian und ich uns entschlossen, das Projekt gemeinsam anzugehen. dafür brauchen wir aber auch Unterstützung aus dem sauberen, hygienischen und wohlhabenden Deutschland. Also an alle, die ihr ganzes Geld noch nicht für Weihnachtsgeschenke oder Böller ausgeben haben oder die einfach genug haben, um eine Kleinigkeit abgeben zu können: Spendet doch bitte etwas, und freut euch über eure Wasserspülung zu Hause. Spendenquittungen werden über die Reformationsgemeinde Ulm ausgestellt. Außerdem werden wir so bald wie möglich einen Blog mit allen Infos zum Toilettenprojekt einrichten.
Hier wird auch das Spendenkonto angegeben und gibt es dann regelmäßig Informationen und Bilder zum aktuellen Stand der Arbeiten. Der Link wird in meinem nächsten Blogeintrag bekannt gegeben.


Fressfeste

In letzter Zeit wurde hier viel und gut gegessen. Erstmal habe ich meinen 20. Geburtstag gefeiert und dafür ein für hiesige Verhältnisse unverschämt gutes Essen zusammengestellt (hab mir dafür extra einen Tag frei genommen). Es gab Nudelsalat, gebratene Würstchen und selbstgebackenen Ananaskuchen. Außerdem gab es noch Orangensaft, Grenadinesirup und Softdrinks. Geschenkt bekommen hab ich ein Fresspaket (Kekse, Schokolade). An Weihnachten haben wir dann gleich noch mal zugeschlagen. Gemischter Salat (grüner Salat, Karotten, Bohnen, Mais, Paprika, Tomaten) klingt jetzt nicht nach einem Wahnsinnsessen. Ist es aber, einfach nur weil es das sonst nie gibt. Dazu gab es hart gekochte Eier, gebratene Würstchen und selbst gemachtes Pizzabrot (aus der Pfanne, ähnelte Pfannkuchen). Alles in allem haben wir die letzten zwei Wochen essend verbracht. An Weihnachten haben wir gewichtelt. Ich hab einen alten MP3-Player bekommen, super Geschenk, weil meiner hier leider kaputtgegangen ist...

Schule

Hier gab es neulich wieder ein schönes Beispiel von der Unfähigkeit des Schulsystems. Beim Auflösen einer Gleichung mit einer Unbekannten und Brüchen wurde hier erst alles sortiert obwohl es das ganze etwas kompliziert machte mit all den Klammern und Brüchen. Mein Vorschlag, erstmal alle Brüche zu entfernen und dann zu sortieren, wurde mit der Begründung abgetan, dass die Schüler durch den schwierigeren Rechenweg ein besseres mathematisches Verständnis bekommen würden, das sei die „neue Methode“. Völliger Schwachsinn, die verstehen es nämlich dann gar nicht. Außerdem gibt eine andere Rechenweise 0 Punkte, selbst wenn sie mathematisch korrekt zur richtigen Lösung führt, selbst denken verboten. In der Woche vor Weihnachten waren hier jede Menge Prüfungen. Jede Klasse hat in jedem Fach (außer Sport) eine Arbeit geschrieben und ich hab sie immer mal wieder beaufsichtigt...
Entweder die halten mich für total bescheuert oder die sind zu doof für unauffälliges Schummeln. Auf jeden Fall war die Aufsicht (wir waren zwei, Rami und ich) auch ohne Stock ausreichend, als wir das nächste Mal in die Klasse kamen, war die Reaktion nur halb erfreut... Der Biologielehrer war nicht so streng, ich hab die Matheklausuren korrigiert, die er beaufsichtigt hat. Genauso gut hätte man auch 3 Schüler an die Tafel stellen und alle anderen eine Lösung ihrer Wahl abschreiben lassen können. Die offiziellen Lösungen der Klausur (von der zuständigen Behörde an alle Schulen verteilt) waren handschriftlich auf ein Papier geschrieben und hatten Fehler (ich hab 3 gefunden). Ach übrigens, wenn 25 % der Klasse in Mathematik bestanden haben, ist das ein gutes Ergebnis. Traurig. Die Französischklausur war grauenhaft, es gibt hier Lehrer mit Leseschwierigkeiten und grauenhaftem Akzent...



Freitag, 17. Dezember 2010

Unzuverlässiges Internet

Doxy 100

Allgemeines

Stick war mal wieder leer, deswegen die Verspätung beim Hochladen, Bilder gibt es leider keine von mir (ich hab mir dafür von Flo welche geklaut zum hochladen), ich hab einfach keine gemacht in letzter Zeit, nächstes Mal wieder...
Hier in Nyogbo ist kurz vor Nikolaus eine Malariaepidemie ausgebrochen. Zwei von drei Freiwilligen waren drei Tage lang im Krankenhaus. Ich hab Glück gehabt, ich bin dann nur zum Krankenpfleger und zum allgemeinen Verpflegungsdienst (Medikamente, Kleidung, Essen usw.) geworden. Mir geht es zum Glück noch gut, vielleicht auch weil ich Doxycyclin (Doxy 100) als Malariaprophylaxe nehme. Gleichzeitig dient das Zeug als Kalender, ich muss es nämlich jeden Tag einnehmen, inzwischen hab ich 100 erreicht, deswegen auch der Titel.
Malaria ist eine der Dinge, auf die man getrost verzichten kann, zwei Malariakranke zu sehen hat mir gereicht, ich muss das nicht auch noch bekommen, aber man weiß ja nie...

Die Lehrer oder „Neues vom König“

Achtung: Nachfolgender Text ist etwas brutal und beinhaltet eine Art bösartigen Humor, aber anders kommt man hier mit dem ganzen Schlagen kaum klar. Wir haben hier ironische Spitznamen für die Lehrer eingeführt, je nach Brutalität der von ihnen durchgesetzten Prügelstrafen. M. AGBAGBA („Der König“) ist der Mathelehrer mit dem ich immer unterwegs bin. Er zeichnet sich durch einen langen und festen Stock aus, den er auch gelegentlich mit voller Wucht nutzt. Der Direktor („Der Prinz“) ist für seine berechnende Kaltblütigkeit beim Schlagen bekannt, er schlägt gerne von hinten auf den Kopf oder auf den Rücken, gerne auch bei einfach nur falschen Antworten. Der Französischlehrer („Der Kronprinz“) hat ein Kabel, dass meist doppelt genommen wird, mit dem er auch ordentlich austeilt. Wir hatten schon „befürchtet“, dass der Kronprinz bald den König stürzen würde was die Brutalität der Schläge angeht, aber der König hat mit einem Doppelschlag seine Position gefestigt. Erst hat er einem Schüler als Bestrafung für unerlaubtes Sodabitrinken (Sodabi=eine Sorte Togogin) die Handflächen wund geprügelt, dann war auch noch sauer auf die Klasse, das Ergebnis der letzen Arbeit war nicht ganz zufrieden stellend (10/101 bestanden). Hier hat er eine neue Taktik entwickelt und sogar seinen Stock gewechselt. Mit einem knapp zwei Meter langen Stock, der an eine Peitsche erinnert, kämpft er sich wild um sich schlagend durch die Klasse, er teilt die Masse (soll heißen: Die 101 Schüler flüchten in panischer Angst an den Rand des Klassenzimmers). Zum Glück kommt das nicht so häufig vor, normalerweise wird kaum bis gar nicht geschlagen, manchmal ist es aber einfach brutal.

Schüler

Ich wusste gar nicht, dass die Schüler hier so kreativ sein können, vor allem was die Fehler angeht. „Das Dreieck ist ein Parallelogramm“ (richtig: ...ist gleichschenklig), „Der Punkt A ist rechtwinklig zur Geraden D“ (richtig: Die Gerade durch A ist rechtwinklig...). Das Wort „équation“ (Gleichung) kommt von „aquatique“??? Noch besser sind die Ausreden für nicht gemachte Hausaufgaben. „Ich hab die ins Heft von meinem Nachbarn geschrieben“ oder bei 20 gleichen (mit Texten dazwischen, absolut identisch, wirklich unmöglich sich so viel Scheiße noch mal auszudenken) Lösungen „Das war Gruppenarbeit“. Die Krönung war dann ein Schüler der 5e, der eine bessere Note für die Klausur haben wollte. 1) „Ich hab das alles mit Taschenrechner gerechnet, ohne ist das zu schwierig“. Taschenrechner sind am Collège nicht erlaubt, der hat noch Glück gehabt, nicht erwischt worden zu sein. 2) Beim Geometrieteil: „Ich kann das alles viel besser, gib mir eine bessere Note. Bei mir auf dem Zettel ist das nur falsch, weil ich bei meiner Nachbarin abgeschrieben habe, weil die mir gesagt hat, dass meine Lösungen falsch sind“. Der wollte mich wirklich damit überzeugen, ihm eine bessere Note zu geben. Ich weiß nicht, ob er sich bewusst war, was er da alles gesagt hat... Liebe Schüler in Deutschland, probiert diese Argumentation doch einfach mal aus (sicher lustig, ich übernehme keine Verantwortung).

Sonstiges

Mein Adventskranz ist inzwischen so trocken wie das Gras vor dem Haus (besonders da, wo wir immer drüber laufen), meine gepflanzte Hecke muss ich regelmäßig gießen, groß ist sie trotzdem noch nicht. Bei der massiven Sonneneinstrahlung hab ich gar keine Lust Fahrrad zu fahren (ich hab auch kaum Zeit dazu, Korrekturen...), abends geht es einigermaßen aber es wird hier einfach dann gleich dunkel. Zur Schule fahr ich immer mal mit dem Fahrrad, wenn ich spät dran bin oder wenn ich gerade mal noch gemütlich einen Tee genießen möchte.